OECD Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung
(Organisation for Economic Co-operation and Development; französisch:
Organisation de coopération et de développement économiques
(OCDE))
Sitz: (Internationales Sekretariat): 2 rue A. Pascal, F-75775 Paris Cedex 16
T 00 33 - 1/45 24 82 00, Fax 45 24 82 00
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) veröffentlichte am 19.4.2002
in Paris eine aktualisierte schwarze Liste
der sog. Steuerparadiese. Neben den europäischen
Kleinstaaten Andorra, Liechtenstein und Monaco enthält
sie die im Pazifik gelegenen Marshallinseln, Nauru
und Vanuatu sowie das westafrikanische Liberia. Den
Staaten wird vorgeworfen, Steuerbetrug und internationalem
Steuerwettbewerb Vorschub zu leisten und sich der Bekämpfung
solcher Praktiken zu widersetzen. Mitgliedstaaten der
OECD wurden bisher keiner Prüfung unterzogen;
sie sollen ihre Position erst im Frühjahr 2003
klären.
Die OECD hatte erstmals im Juni 2000 eine schwarze Liste mit Steuerparadiesen veröffentlicht,
auf der damals noch 35 nicht kooperationsbereite Staaten standen. Nach und
nach erklärten sich die meisten Länder laut OECD zur Zusammenarbeit
bereit und wurden von der Liste gestrichen, zuletzt Samoa. Die Initiative der
führenden Industriestaaten gewann nach den Terroranschlägen vom 11.9.2001
zusätzlich an Bedeutung. In ihren Bemühungen, die Finanzierung von
Terroristengruppen zu unterbinden, wollen die USA und ihre Verbündeten
die Steueroasen einer engeren Prüfung unterziehen. Die gelisteten Staaten
laufen Gefahr, isoliert zu werden. Sie haben sich wiederholt Forderungen der
OECD widersetzt, gegen Steuerbestimmungen vorzugehen, die als schädlich
für Handel und Investitionsfluss gelten. Die anderen Länder und Regionen
haben sich seitdem verpflichtet, ihr Bankgeheimnis zu lockern und einen Informationsaustausch
mit den 30 OECD-Mitgliedern einzuführen. Liechtenstein will am Bankgeheimnis
festhalten und dem Druck der OECD nicht nachgeben; es wurde allerdings 2001
von der Liste der Staaten entfernt, die nicht entschieden genug gegen Geldwäsche
vorgehen.
Auf dieser schwarzen Liste der 1989 von der von den G 7-Staaten eingesetzten
Arbeitsgruppe »Finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche« (FATF,
Financial Action Task Force on Money Loundering) sind immer noch 19
Länder aufgeführt, die sich internationalen Bemühungen zur Bekämpfung
der Geldwäsche widersetzen. Panama ist 2001 von dieser Liste gestrichen
worden, nachdem es sich bereit erklärt hatte, die Bemühungen der
FATF zu unterstützen. Die Steueroase Monaco hatte sich ebenfalls dem Druck
aus Frankreich gebeugt und zugesagt, Maßnahmen zur Bekämpfung der
Geldwäsche einzuführen. Allerdings warfen viele OECD-Staaten schon
in diesem Jahr Monaco vor, Untersuchungen ernster Steuerdelikte zu behindern.
Auch Russland, das 2001 Gesetze gegen Geldwäsche angenommen hat, dürfte
vorerst auf der schwarzen Liste bleiben. Denn das entsprechende Kontrollorgan,
das verdächtige Immobilien- und Bankgeschäfte kontrollieren soll,
wurde erst Ende März 2002 geschaffen und muss erst personell aufgestockt
werden.
Internet: www.oecd.org
OECD Berlin Centre: Albrechtstraße 9/10, 10117 Berlin, T 030/2 88 83
53, Fax 28 88 35 45
Internet: www.oecd.org/deutschland
Gründung: durch Pariser Übereinkommen vom 14.12.1960 (in Kraft am
30.9.1961) als Nachfolgeorganisation der 1948 geschaffenen, den US-Marshall-Plan
(ERP) koordinierenden Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
in Europa OEEC (Organisation for European Economic Cooperation).
Ziele: Förderung und Koordination der Wirtschafts-, Währungs- und
Entwicklungspolitik der Mitglieder.
Mitglieder: (30): Australien (seit 1971), Belgien, Dänemark, BR Deutschland,
Finnland (1969), Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island,
Italien, Japan (1964), Kanada, Republik Korea (1996), Luxemburg, Mexiko (1994),
Neuseeland (1973), Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen (1996), Portugal,
Schweden, Schweiz, Slowakei (2000), Spanien, Tschechische Republik (1995),
Türkei, Ungarn (1996), USA. - Die EU-Kommission nimmt an der Arbeit der
OECD teil.
Hauptorgane: Rat der Ständigen Delegationen der Mitglieder (= Sonderbotschafter
in Paris; einmal im Jahr auf Ministerebene), Beschlüsse oder Empfehlungen
bedürfen der Einstimmigkeit; Exekutivausschuss aus 14 Mitgliedern; Ausschuss
für Entwicklungshilfe DAC (Development Assistance Committee); Internationales
Sekretariat mit einem Generalsekretär - seit 1996 Donald J. Johnston (Kanada)
- und rund 1900 Beschäftigten.
Finanzierung: durch Mitgliedsbeiträge und Verkauf von Publikationen; Haushalt
rund 260 Mio. €.
Aktivitäten: Die OECD ist auf allen wirtschaftlich und sozial relevanten
Gebieten beratend tätig, z.B. Handel, Entwicklungspolitik, Kapitalverkehr
und -märkte, Steuerwesen, Landwirtschaft, Fischerei, Seeverkehr, Energie
einschl. Kernenergie, Arbeitskräfte, Sozialfragen, Umwelt-, Bildungs-,
Wissenschafts-, Technologie- und Industrie-, Stadt- und Regionalpolitik. Sie
veröffentlicht jährlich rund 12000 Studien, darunter kritische Analysen
zur Wirtschafts- und Sozialpolitik der Mitgliedstaaten (jährliche Länderberichte
und halbjährliche Konjunkturausblicke).
Sonderorganisationen: der OECD sind die Internationale Energie-Agentur IEA
(International Energy Agency) und die Kernenergie-Agentur NEA (Nuclear Energy
Agency).
Bekämpfung der Steuerparadiese
Quelle:
Der Fischer Weltalmanach 2004. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2003.
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